Die Frühjahrsversammlung 2009 zum Thema
Das Ganze im Blick.
Nachdenken über die lebenspraktische Relevanz einer Rede von den letzten Dingen
fand vom 30. April bis zum 01. Mai 2009 in München statt.

Themen

Das Verständnis vom Jenseits in der europäischen Kulturgeschichte
Wilhelm Blum, München

Si tacuisses... Eine Provokation zu Beginn
Patrick Becker, Eichstätt
Die Rede von den letzten Dingen wurde nach Patrick Becker in der Geschichte des Christentums auch zur Vertröstung oder gar zur irdischen Machtsicherung missbraucht. Der Referent fragte deshalb nach den Bedingungen für eine sinnvolle Diskussion und warnte davor, konkrete Aussagen über das zu machen, worüber wir schweigen müssen. Gleichzeitig dürfe jedoch nicht die Kernbotschaft christlichen Denkens, die Auferstehung, ins Nebulöse gezogen werden.

Himmel, Hölle, Fegfeuer. Wie wir das Jenseits verorten
Veronika Bogner, München

„Was dürfen wir hoffen?“ Eine praxisorientierte Auseinandersetzung mit der Karsamstagstheologie Hans Urs von Balthasars
Ursula Diewald, München
Ein großer Teil des Werks Hans Urs von Balthasars kann als ein Antwortversuch auf die Frage gelesen werden, worin die soteriologische Relevanz einer Rede von den letzten Dingen für den Christen von heute liegen kann. Dessen sog. Karsamstagstheologie beinhaltet den Gedanken, dass die Hölle zwar als Zustand der bleibenden Abwendung von Gott immer eine reale Möglichkeit bleibt, dass aber nach dem Erlösungswerk Christi, das den Gang in die Hölle mit einschließt, auch dieser „Ort“ von Christus bewohnt ist.

Virtuelle Friedhöfe. Ein Phänomen der modernen Trauerkultur
Diana Pettinger, München
Diana Pettinger stellte das Phänomen virtueller Friedhof vor. Durch den Vergleich verschiedener Internet-Gedenkseiten wurde festgestellt, dass ein virtueller Friedhof ein Ort der Nähe zum Verstorbenen und ein Ort der Trauer und Trauerbewältigung sein kann, aber auch als ein Stück Ewigkeit aufgefasst werden kann. Weitere Reflexionen etwa zur Rolle von virtuellen Friedhöfen bei der Trauerbewältigung oder zum Verhältnis der Kirche(n) zu virtuellen Friedhöfen können der Präsentation entnommen werden (im PDF-Format).

Das jüngste Gericht als Lebensmotiv? Beobachtungen zum Werk des Komponisten Hector Berlioz (1803-69)
Stephan Mokry, München
Das jüngste Gericht ist es ein Sujet, das angesichts seiner die Vorstellungskraft übersteigenden Vorgänge Komponisten aller Zeiten reizte. Unter Verweis auf autobiographische Schriften und mehrere Werke wie der Messe solenelle und dem Oratorium „Fausts Verdammnis“ spürte Stephan Mokry dem Jüngsten Gericht als Lebensmotiv des französischen Komponisten Hector Berlioz (1803-1869) nach. Mokry wandte sich gegen die häufig anzutreffende Bezeichnung Berlioz’ als Atheisten und stellte dar, das die religiöse Dimension seines Lebens und Werkes einer genaueren Betrachtung bedarf.

Tagungsort
Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit
der Ludwig-Maximilians-Universität München

[Seitenanfang]