Die Frühjahrsversammlung 2008 zum Thema
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.” (Mt 7,16)
Zur Bewährung des Glaubens in der Praxis
fand 11. bis zum 13. April 2008 in Marburg statt.

Themen

Glauben aus dem Lebenszusammenhang begründet
Alexander Schimmel, Mainz
Alexander Schimmel stellte die religionsphilosophischen Ansätze von William James (in The Will to Believe, 1897) und Franz von Kutschera (in Vernunft und Glaube, 1990) vor, denen zufolge religiöser Glaube seine Legitimität aus der persönlichen Lebensbewährung bezieht. So löst die pragmatische Wendung der Glaubensfrage die Wahrheitsfrage zugunsten einer subjektiv-existentiellen Problematik auf. Die Diskussion der Ansätze zeigt sowohl deren Attraktivität als auch die Gefahren, die sich aus einem Verzicht auf objektive Geltungsansprüche ergeben.

Ethik nach Eilert Herms
Christoph Scheerer, Herbrechtingen:
Christoph Scheerer gab einen Überblick über Begriff und Problem der Ethik allgemein sowie theologischer Ethik im speziellen anhand der entsprechenden Artikel von Eilert Herms in der Neuauflage der RGG. Das hier vorgestellte Ethikverständnis geht davon aus, dass jede Ethik als auf ein Ethos bezogenes Theorieunternehmen qua Gebundenheit an das jeweilige Ethos und dessen Daseinsgewissheit perspektivisch ist. Von diesem Punkt aus wird dann stringent entfaltet, was Ethik bzw. speziell theologische Ethik ist und leistet.

Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils?
Zur Bewährung der Konzilsergebnisse am Beispiel Kardinal Döpfners und der Erzdiözese München-Freising“
Stephan Mokry, München
„Kirche wohin? – Wider den Verrat am Konzil“, so der Titel eines u.a. von Hans Küng herausgegebenen Buches. Das klingt, als ob die Früchte des Konzils gleichsam ungeerntet blieben. Stephan Mokry versuchte in seinem Vortrag nachzuweisen, dass der Konzilsvater und einer der vier Moderatoren des II. Vatikanum, Kardinal Julius Döpfner, alles tat, um „in dieser Stunde der Kirche“ die Zeichen der Zeit zu erkennen und danach zu handeln. So setzte er maßgeblich die Sichtweise der Kirche als Volk Gottes im Konzil durch und leitete daraus eine Neuordnung der Pastoral in seiner Erzdiözese München-Freising ab u.a. durch Einrichtung von Pfarrverbänden und der Berufsgruppe der Pastoralreferenten/-innen, um so als Kirche an der Seite der Menschen in der Welt von heute wirken zu können.

Vollendete Liebe. Glaube und Heiligung aus methodistischer Perspektive
Thomas Gerold, Reutlingen
Thomas Gerold zeigt auf, welche Rolle die Heiligung in John Wesleys (1703-1791) Theologie spielt. Sie steht in enger Beziehung zur vorausgehenden Rechtfertigung aus dem Glauben. Im Hinblick auf das Voranschreiten dieser Heiligung bis hin zur vollendeten Liebe war Wesley sehr optimistisch. Gerold arbeitete sowohl die Problematik dieser Position heraus, nämlich eine mögliche Überforderung des Menschen, als auch die Stärke, nämlich die echte Veränderung des Menschen, der an Christus glaubt.

Ergebnisse des Religionsmonitors 2008
Patrick Becker, Marburg
Patrick Becker stellte die internationale soziologische Studie Religionsmonitor 2008” vor. Obwohl starke methodische Kritik geäußert wurde, ließen sich in der Diskussion einige Erkenntnisse festhalten. So wurde insgesamt eine erstaunlich hohe Religiosität in der Welt festgestellt. Nicht überraschen konnte dagegen, dass diese Religiosität in ärmeren Ländern ausgeprägter ist als in reicheren. In Deutschland zeigte sich, dass der individuelle Glaube zwar selten exakt konfessionellen Vorgaben entspricht, jedoch in den meisten Fällen unter dem Dach der beiden großen Konfessionen stattfindet. [Die Präsentation im PDF-Format]

Kontextuelle Theologie am Beispiel Palästinas
Veronika Bogner, München
Veronika Bogner ging der Frage, welche Relevanz der christliche Glaube für das Leben heute hat, aus Perspektive der kontextuellen Theologie nach. Diese theologische Richtung sezt zur Beantwortung der Frage bei der Lebenswirklichkeit der Menschen an, indem sie den Glauben mit dem jeweiligen sozio-politischen Hintergrund in Beziehung bringt. Für die palästinensische kontextuelle Theologie bedeutet das, v.a. den Konflikt im Nahen Osten in die Theologie mit einzubeziehen. Damit ist auch das Problem aufgeworfen, in welcher Verbindung Glaube und Politik stehen und wie tragfähig dieser theologische Ansatz ist.

Christlicher Glaube als Schlüsselqualifikation in der sozialen Arbeit?
Diana Pettinger, München
Diana Pettinger ging der Frage nach, ob man aus dem christlichen Glauben Fähigkeiten bzw. Einstellungen ableiten könne, die für die soziale Arbeit förderlich sind. Als positiv wurde gesehen, dass  durch das christliche Menschenbild, das im Gegensatz zur Moderne, die ein gelungenes Leben aus eigener Kraft fordert, Fehlertoleranz und Hilfe beim Neuanfang, die Kernpunkte der sozialen Arbeit sind, erst ermöglicht werden. Außerdem fördert der Gottesbezug die Beziehungsfähigkeit und mache es möglich in Belastungssituationen loslassen zu können. Allerdings kann die Theodizee-Frage zu einer Verminderung der Handlungsfähigkeit führen, und Christen sind auf Grund des Gebotes der Nächstenliebe in Gefahr sich zu übernehmen. [Die Präsentation im PDF-Format]

Tagungsort
Katholisch-Theologisches Seminar an der Philipps-Universität Marburg
Deutschhausstr. 24 · 35037 Marburg

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