Die
Herbstversammlung 2007 zum Thema „Glaube – Glauben – Ich glaube”
fand vom 12. bis zum 14. Oktober 2007 in München statt.

Themen

Augustinus’ Glaubensverständnis nach seiner Spätschrift „De praedestinatione sanctorum”
Christoph Scheerer, Herbrechtingen
Über „Das Glaubensverständnis des Augustinus nach seiner Spätschrift ‚De praedestinatione sanctorum’” referierte Christoph Scheerer. Er zeichnete den Argumentationsweg dieser Schrift nach, in der Augustinus anhand der Exegese biblischer Stellen, insbesondere paulinischer Briefe, nachweist, dass der Glaube in allen seinen Phasen vom Beginn bis zur Vollendung eine Gnadengabe Gottes ist. Das schließe jeglichen vorhergehenden Akt des Menschen und jedes meritorische Verständnis des Glaubens aus.

„Glauben heißt nicht wissen...” Vom (Un-)Sinn einer Redewendung
Patrick Becker, Marburg
Patrick Becker analysierte die Begriffe des „Glaubens” und des „Wissens”. Er stellte dem augustinischen Ansatz das katholische Glaubensverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils entgegen, nach dem jeder Glaube darin bestehe, dass die Offenbarung Gottes positiv angenommen werde. Glaube würde demnach ein Kommunikationsgeschehen darstellen, bei dem beide Seiten – Gott und der Gläubige – in Freiheit sich selbst entscheiden müssten.

Einstellungen gegenüber Glauben als Unterrichtsgegenstand.
Didaktische Überlegungen und Bausteine für den Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe
Alexander Schimmel, Mainz
Alexander Schimmel stellte sein laufendes Dissertationsprojekt vor, in dem er „Einstellungen gegenüber Glauben“ als Konzept für die Reflexion von Bedingungen, Zielen und Methoden schulischen Religionsunterrichts vorschlägt. Einstellungen sind vom Ineinandergreifen kognitiver, affektiver sowie konativer Komponenten gekennzeichnet und fordern aufgrund ihrer Stabilität eine Bescheidung didaktischer Zielsetzung. Die Befunde empirischer Jugendforschungen zeigen die Präferenz von Schülerinnen und Schülern für Vorstellungen, nach denen Glaube nicht Gegenstand von Diskussionen sein kann, sondern vielmehr nach subjektivem Dafürhalten und ohne Bindung an Glaubensgemeinschaften zu gestalten ist. Diese Vorstellungen selbst sowie deren meist selten reflektierten Implikationen zum Unterrichtsgegenstand zu machen, ist Tenor dieser Arbeit.

Stufen des Glaubens?! Zu Sinn und Unsinn von entwicklungspsychologischen Modellen
Antje Klein, Herbrechtingen
Antje Klein stellte Phasenmodelle bezüglich des religiösen Urteils (Oser/Gmünder) und des Glaubens (Fowler) vor und stellte die Frage nach Sinn und Reichweite solcher Modelle für den christlichen Glauben. Problematisch wurde gesehen, dass die verschiedenen Phasen einer impliziten Wertung unterliegen können, die aber zu vermeiden ist. Stattdessen sollte der Glaube jeder Phase als gültige Glaubensform wertgeschätzt werden, was besonders im Blick auf die Praxis der religiösen Begleitung von Kindern von Bedeutung ist.

Inquisition oder der Umgang mit Un-Glaube
Stephan Mokry, München
Stephan Mokry ging der Frage nach, wie im Verlauf der Kirchengeschichte mit denjenigen Menschen und Gruppierungen umgegangen wurde, die sich dem Vorwurf der Häresie stellen und sich einer gerichtlichen Untersuchung unterziehen mussten. Mokry wies nach, dass es sich bei der mittelalterlichen Inquisition vorrangig um ein regionales Phänomen im Kontext der Ketzerbekämpfung handelte, das sich allmählich institutionalisierte; inquisitorische Willkür und Massenhinrichtungen seien nicht die Regel gewesen und hingen vorrangig vom Handeln pathologisch auffälliger Persönlichkeiten ab. Von der mittelalterlichen Inquisition zu trennen sei nach Mokry die staatliche Inquisition bspw. im Spanien der Neuzeit sowie die Hexenprozesse, die vorrangig durch weltliche Gerichte angestrengt wurden.

Glaube als „Lebensernst” – oder: Der Vorrang des Besonderen
Ursula Diewald, München
Ursula Diewald stellt in ihrem Vortrag fest, dass allen Definitionsvorschläge zum Begriff „Glauben” innerhalb der Theologie gemeinsam sei, dass sie die Notwendigkeit sehen, dass der Glaube Ausdruck in der Lebenspraxis findet. In der Konsequenz könne man am ethischen Handeln zwischen expliziten und impliziten Glauben oft nicht unterscheiden. Diewald schlägt vor, im pastoralen Umgang deshalb eine pragmatische Haltung einzunehmen, die den Glauben nichtchristlicher, sogar nichtreligiöser Menschen als „Lebensernst“ begreift. Dieses Verständnis ermögliche der Theologie eine positive Sicht auf den Paradigmenwechsel der Postmoderne, der die Philosophie wie die Gesellschaft durchziehe – weg von der Suche nach Einheit hin zur Besonderheit in Vielfältigkeit.

Außerhalb des Themas:
Vorstellung der Diplomarbeit: Foltern, um Menschenleben zu retten?
Die neuere Diskussion um die Legitimität der Folter im Anschluss an den Fall Daschner
Veronika Bogner, München
Veronika Bogner stellt die engagierte Debatte unter Juristen, Ethikern, Menschenrechtlern, Philosophen und Theologen um die Folter als letztes Mittel zur Rettung von Menschenleben vor, in der verfassungs-, völker- und staatsrechtliche Argumente im juristischen Bereich, sowie deontologische, teleologisch und verantwortungsethische Ansätze im ethischen Raum eine Rolle spielen. Als Ergebnis der Debatte plädiert Bogner dafür, Folter unabhängig von der Bewertung des Einzelfalls für Unrecht zu erachten. Der Staat als Institution müsse entsprechende Handlungen in jedem Fall ahnden und könne sich nicht selbst über seine eigenen Grundlagen und Gesetze hinwegsetzen.

Tagungsort
Ausbildungszentrum für Pastoralreferent(inn)en der Erzdiözese München und Freising
Wilhelmstr. 2 · 80801 München

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