Die Frühjahrsversammlung 2014 zum Thema
Eschatologie
fand vom 28. Feburar bis zum 02. März 2014 im evangelischen Stift Tübingen statt.

Themen

Endlickeit - Quasi-Unendlichkeit - Ewigkeit
Winfried Schmidt, Wadersloh
„Ehe Abraham ward, bin ich“. Überraschend trägt die moderne Physik dazu bei, die hinter diesem Wort verborgene Wahrheit zu erahnen. Indem die allgemeine Relativitätstheorie die Antinomie von aktueller Begrenztheit und potentieller Unbegrenztheit beseitigte, hat sie eine neue von Winfried Schmidt als „Quasi-Unendlichkeit“ bezeichnete Perspektive geöffnet, die alle Grenzwissenschaften zwischen Natur und Übernatur in neues Licht stellen kann, so exemplarisch die Kosmologie: Relativistisch mögliche Grenzbezüge verkürzen Zeiten und Räume zu Nichts, Materie der Raumzeit zu entreißen, würde deren gesamte Energie verschlingen. Der Unterschied von Sein und Nichts verliert sich in jeder physikalischen Hinsicht, will man das Universum gedanklich von außen betrachten. Was bleibt, ist der Innenaspekt: das Universum ist überhaupt ein Innenaspekt, und zwar ein endlicher ohne Grenzen. Transkosmisches Sein existiert weder „davor/danach“ noch „daneben“. Das obige „bin“ bezeichnet offenbar eine solche Existenzweise. Das „Ehe“ ist von daher ontologisch und gewiss nicht zeitlich zu deuten.

The Theological from a Logical Point of View
Philipp Werner, München
Pascals  Wette ist kein Argument für die Existenz Gottes - Pascals Wette ist ein Argument  dafür, dass wir darauf setzen sollten, dass Gott existiert. Philipp Werner weist in seinem Vortrag auf zwei  Kritikpunkte hin, die erstaunlicherweise in der Literatur zu Pascals Wette nicht auftauchen. Zum einen: Vielleicht kann die Theologie sagen, welchen Wert wir erhalten, wenn wir auf Gott setzen bzw. nicht auf Gott setzen und Gott existiert - aber weder die Theologie noch sonst wer kann uns sagen, welchen Wert wir erhalten, wenn wir auf Gott setzen bzw.  nicht auf Gott setzen und Gott nicht existiert. Zweitens: Wenn Pascal Wette korrekt ist, ist es rationaler, auf Gott zu setzen als nicht auf ihn zu setzen; es ist dann aber auch rationaler,  nicht auf Gott zu setzen als auf Gott zu setzen - ein Widerspruch zur Asymmetrie der strikten Rationalitätsordnung.

Die Ganztodtheorie Paul Althaus’
Diana Pettinger, München

Das verlorene Jenseits? Eschatologie damals
Steffen Jöris, Aachen

Das verlorene Jenseits? Eschatologie damals
Patrick Becker, Aachen
Biblische eschatologische Motive sind in den westlichen Kulturen tief verankert und werden an vielen Orten explizit oder implizit aufgegriffen, wie der Beitrag von Patrick Becker anhand von Hollywood-Blockbustern aufzeigt. Neuere Filme wie Elysium, Armageddon oder Waterworld zeigen dabei eine eindeutig innerweltliche Ausrichtung, es wird ein innerweltlicher Heilszustand gesehen und zu erreichen versucht. Die Menschen schaffen sich ihr Heil selbst, ist eine Botschaft dieser Filme. Die benutzte Semantik, der Stil und die Pragmatik dieser Filme stimmen bemerkenswert mit den biblischen Apokalyptiken überein, sodass Becker eine interessante Vergleichsmöglichkeit sieht: Offensichtlich scheint die Funktion heutiger Heilskonzepte ähnlich wie die der biblischen Konzepte zu sein, nur wird anstelle des Jenseits ein innerweltlicher Zustand gesetzt.

 

Tagungsort
Evangelisches Stift
Klosterberg 2
72070 Tübingen

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